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  20.08.2008
 
 

Peer-to-Peer-Seiten buhlen um Rechner

Nicht nur beim SETI-Programm ist verteiltes Rechnen im Aufwind

aus: dpa-Meldung vom 14. Januar 2002 (verbreitet u.a. über die Online-Ausgaben von ZDF-heute - t-online, stern, n-tv, Süddeutsche Zeitung sowie verschiedener Tageszeitungen)

Vom Arbeitszimmer aus nach Außerirdischen suchen oder im Hobbykeller an der Entwicklung neuer Impfstoffe mitwirken: Was nach den skurrilen Methoden schrulliger Tüftler klingt, ist in jedem Haus leicht möglich. Einzige Voraussetzung: Ein Computer mit Internetanschluss.

Mit Hilfe von "Peer-to-Peer", dem Verteilen großer Rechenoperationen auf viele Computer, können sich private PCs an großen Aufgaben beteiligen. Neben dem Vorreiter im "Verteilten Rechnen" SETI, der weltumspannenden Suche nach Radiosignalen im All, buhlen inzwischen eine ganze Reihe von Projekten unterschiedlichster Branchen um private Rechenleistung. Einige Firmen wollen mit diesem Distributed Computing (DC) sogar Geld verdienen.

" Peer-to-Peer" gilt bei Experten als besonders zukunftsträchtige Technik. Bekannt ist der Datentransfer bislang vor allem von Musiktausch-Börsen im Internet wie Napster und Gnutella. Die Idee des privaten verteilten Rechnens beruht auf der Tatsache, dass bei einem durchschnittlichen Computer nur ein kleiner Teil der Leistung genutzt wird oder noch ein erheblicher Teil der Festplatte zur Verfügung steht. Mindestens die Hälfte der Rechenkapazität liegt brach - und kann etwa gemeinnützigen Forschungszwecken dienen.

Normale Arbeit nicht beeinträchtigt

Das Prinzip des Parallel-Rechnens ist einfach: PC- und Macintosh-Besitzer müssen meist nur eine Software in Form eines Bildschirmschoners aus dem Internet herunterladen. Zusätzlich wird dem Computer eine Rechenaufgabe übermittelt.

Wenn der Nutzer eine Kaffeepause macht, telefoniert oder zur Toilette geht, bearbeitet das Gerät dann diese Aufgabe. Ist der Computer im Internet eingeloggt, werden fertige Ergebnisse an den Hauptrechner überspielt und neue Teilaufgaben abgeholt. Die normale Arbeit wird davon nicht beeinträchtigt. "Diese Methode eignet sich für große Rechenaufgaben, die viel Zeit haben und wenn wenig Geld da ist", sagt der Software-Experte Jörg Luther vom Online- Fachmagazin "tecCHANNEL".

Rechenaufgabe muss teilbar sein

In einem gigantischen Lauschangriff suchen etwa die Wissenschaftler des SETI-Programms (Search for Extraterrestrial Intelligence/Suche nach außerirdischer Intelligenz) bereits seit rund 40 Jahren nach Alien-Spuren. Als Wanze dienen Teleskope, die pro Sekunde Gigabytes an Radiosignalen aus dem All empfangen. Radiowellen sind ein mögliches Indiz für außerirdisches Leben, da sie interstellare Staubwolken durchdringen können und in der Natur nicht vorkommen. Das Problem ist jedoch die immense Datenmenge - was Experten vor rund drei Jahren auf die Idee brachte, die Rechenleistung mit dem Projekt SETI@home auf private Computer weltweit zu verteilen.

Dazu muss die Rechenaufgabe problemlos in viele kleine Päckchen aufgeteilt werden können. Dies ist auch in der medizinischen Forschung möglich. So können freie Kapazitäten bei der Entwicklung neuer Krebs- und Aids-Medikamente helfen. Inzwischen arbeiten viele Hunderttausende privater Rechner unter anderem daran mit, bei dem Projekt "folding@home" Eiweißstrukturen zu ergründen. Gleich einem gigantischen Puzzlespiel werden beim "THINK"-Programm Moleküle auf ihre Passform hin getestet und so nach Krebs hemmenden Wirkstoffen gesucht.

Entropia will Geld scheffeln

Das US-Unternehmen Entropia möchte die Nutzung privater Rechenzeit zum Geschäft machen. Freie Kapazitäten - von Privatleuten kostenlos zur Verfügung gestellt - sollen nach eigenen Angaben sowohl für das gemeinnützige Forschungsprojekt "FightAids@home" als auch für kommerzielle Zwecke eingesetzt werden - zu welchen Anteilen bleibt unklar.

"Ich schätze die Chancen, mit privatem verteilten Rechnen Geld zu verdienen, als sehr gering ein", sagt Luther. Das sieht auch Oliver Diedrich von der Computerzeitschrift "c't" so: "Wenn es kommerziell wird, sollten die Unternehmen eine Gegenleistung anbieten." Dies könnte beispielsweise ein kostenloser Internet-Zugang sein. Bei dem Projekt "MoneyBee" analysieren inzwischen nach Angaben der Betreiber rund 15.000 private Computer Börsendaten. "Bezahlt" wird das Engagement mit - eventuell kostbaren - Aktienprognosen. Bei SETI reicht anscheinend die Aussicht auf einen möglichen Kontakt mit Außerirdischen für die enthusiastische Beteiligung von Technikfans - nach Angaben der Projektleitung wird inzwischen auf rund 3,5 Millionen Computern nach "ETs" gesucht.

von Andrea Löbbecke, dpa

 
 
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